Ein kleiner, schmerzhafter Punkt auf der Zunge, der beim Essen, Trinken und sogar beim Sprechen stört: fast jeder hat das schon erlebt. Im Volksmund heißt es schnell "Pickel auf der Zunge", doch mit einem klassischen Hautpickel haben diese Veränderungen wenig gemeinsam. In der Mundhöhle gibt es keine Talgdrüsen und keine verstopften Poren. Was du auf deiner Zunge siehst und spürst, sind in den allermeisten Fällen Aphthen, entzündete Geschmackspapillen oder andere Schleimhautveränderungen. Die gute Nachricht: Die meisten davon sind harmlos und heilen von selbst ab. Trotzdem lohnt es sich zu verstehen, was genau dahintersteckt, wann Hausmittel ausreichen und wann du lieber einen Arzt aufsuchen solltest.

Was sind "Pickel auf der Zunge" wirklich?

Zunächst die wichtigste Klarstellung: Echte Pickel, wie du sie von der Gesichtshaut kennst, können auf der Zunge nicht entstehen. Pickel bilden sich, wenn Talgdrüsen verstopfen und sich entzünden. Die Mundschleimhaut besitzt aber keine Talgdrüsen. Was viele Menschen als "Pickel auf der Zunge" bezeichnen, ist in Wirklichkeit eines der folgenden Phänomene:

Ursachen im Detail: Woher kommen die Veränderungen?

Die Ursachen für schmerzhafte Veränderungen auf der Zunge sind vielfältig. Je nach Art der Läsion spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle.

Aphthen: häufig, schmerzhaft, aber harmlos

Aphthen sind die mit Abstand häufigste Ursache für "Pickel auf der Zunge". Sie erscheinen als runde oder ovale Geschwüre mit weißlich-gelblichem Belag und einem entzündlich geröteten Rand. Warum manche Menschen immer wieder Aphthen bekommen und andere nie, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. Bekannte Auslöser und Risikofaktoren sind:

Aphthen heilen in der Regel innerhalb von ein bis drei Wochen von selbst ab. Sie sind nicht ansteckend.

Transiente Papillitis (Lie Bumps)

Lie Bumps entstehen, wenn sich die pilzförmigen Papillen (fungiforme Papillen) auf deiner Zunge entzünden. Diese winzigen Erhebungen enthalten deine Geschmacksknospen und reagieren empfindlich auf Reizungen. Die genaue Ursache ist nicht abschließend geklärt, aber folgende Auslöser werden diskutiert:

Die klassische Form zeigt sich als einzelnes, schmerzhaftes rotes oder weißes Knötchen, meist an der Zungenspitze. Sie verschwindet typischerweise innerhalb von ein bis zwei Tagen, kann aber Wochen oder Monate später erneut auftreten.

Herpes im Mund

Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht nicht nur Fieberbläschen an der Lippe, sondern kann auch die Mundschleimhaut befallen. Im Mund zeigen sich die Bläschen als kleine, mit klarer Flüssigkeit gefüllte Erhebungen, die aufplatzen und schmerzhafte, offene Stellen hinterlassen. Im Gegensatz zu Aphthen sind Herpesbläschen hoch ansteckend.

Mundsoor (orale Candidose)

Der Hefepilz Candida albicans besiedelt die Mundhöhle bei vielen Menschen, ohne Probleme zu verursachen. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, etwa durch Antibiotika, Kortison-Inhalation, Diabetes oder eine HIV-Infektion, kann sich der Pilz stark vermehren. Die typischen Symptome sind weißliche Beläge auf Zunge und Mundschleimhaut, Mundtrockenheit, Brennen und Geschmacksstörungen. Die Beläge lassen sich abstreifen, darunter zeigt sich eine gerötete, leicht blutende Schleimhaut.

Mangelerscheinungen

Eine oft unterschätzte Ursache für Zungenveränderungen sind Nährstoffmängel. Besonders relevant sind:

Aphthen, Herpes, Papillitis, Mundsoor oder Leukoplakie? Die Unterschiede

Nicht jede Veränderung auf der Zunge ist gleich. Die folgende Tabelle hilft dir, die häufigsten Ursachen voneinander zu unterscheiden:

Merkmal Aphthen Herpes (oral) Papillitis (Lie Bumps) Mundsoor Leukoplakie
Aussehen Weißlich-gelbes Geschwür mit rotem Rand Flüssigkeitsgefüllte Bläschen, dann offene Stellen Kleine rote oder weiße Knötchen Abwischbare weiße Beläge Weiße Flecken, nicht abwischbar
Typische Stelle Zungenrand, -unterseite, Wangeninnenseite Lippen, Gaumen, Zahnfleisch, selten Zunge Zungenspitze, -oberfläche Zunge, Gaumen, gesamte Mundschleimhaut Zungenrand, Wangeninnenseite
Schmerzen Stark, besonders beim Essen Brennend, juckend Leicht bis mäßig, stechend Brennen, pelziges Gefühl Meist schmerzfrei
Dauer 1 bis 3 Wochen 7 bis 14 Tage 1 bis 2 Tage Ohne Behandlung dauerhaft Dauerhaft ohne Behandlung
Ansteckend? Nein Ja (hoch ansteckend) Nein Nein (aber Pilz übertragbar) Nein
Ursache Unklar, multifaktoriell Herpes-simplex-Virus Typ 1 Lokale Reizung Candida-albicans-Pilz Chronische Reizung, Tabak, Alkohol
Arztbesuch nötig? Bei häufigem Auftreten Bei Erstinfektion empfohlen Normalerweise nicht Ja, Antimykotika nötig Ja, Krebsvorstufe möglich

Wichtig zu Leukoplakie: Weiße Flecken auf der Zunge, die sich nicht abwischen lassen und über Wochen bestehen bleiben, solltest du immer ärztlich abklären lassen. Leukoplakie gilt als potenziell präkanzeröse Veränderung. Schätzungsweise entwickeln sich aus bis zu 5 Prozent der unbehandelten Leukoplakien bösartige Tumoren. Hauptrisikofaktoren sind Tabakkonsum und übermäßiger Alkoholgenuss.

Hausmittel und Selbstbehandlung: Was wirklich hilft

Bei harmlosen Aphthen und entzündeten Papillen kannst du mit einfachen Hausmitteln für schnelle Linderung sorgen. Diese Mittel sind bewährt und gut verträglich:

Salzwasserspülung

Das einfachste und zugleich wirksamste Hausmittel: Löse einen halben Teelöffel Speisesalz in einem Glas lauwarmem Wasser auf und spüle damit mehrmals täglich den Mund. Das Salzwasser wirkt desinfizierend, reduziert Bakterien und fördert die Abheilung.

Salbeitee

Salbei ist eine der wichtigsten Heilpflanzen bei Entzündungen im Mundraum. Brühe einen starken Salbeitee auf (2 Teelöffel getrockneten Salbei auf 250 ml kochendes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen) und verwende ihn als Mundspülung. Salbei wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und zusammenziehend.

Kamillentee

Kamille ist für ihre beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt. Auch sie eignet sich hervorragend als Mundspülung. Du kannst alternativ einen abgekühlten Kamillenteebeutel direkt auf die betroffene Stelle legen.

Honig

Honig wirkt leicht antibakteriell und entzündungshemmend. Tupfe etwas Honig direkt auf die schmerzende Stelle. Besonders wirksam ist Manuka Honig mit seinem hohen Gehalt an Methylglyoxal (MGO). Lass den Honig einige Minuten einwirken, bevor du etwas trinkst.

Myrrhe-Tinktur

Myrrhe ist ein traditionelles Heilmittel bei Mundschleimhautentzündungen. Myrrhentinktur aus der Apotheke kannst du unverdünnt mit einem Wattestäbchen auf die Aphthe auftragen oder verdünnt als Gurgellösung verwenden. Die Tinktur wirkt antiseptisch, entzündungshemmend und zusammenziehend. Trage sie am besten nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen auf. Beachte: Wegen des hohen Alkoholgehalts ist Myrrhe-Tinktur für Kinder, Schwangere und Stillende nicht geeignet.

Eiswürfel

Ein Eiswürfel, langsam auf der Zunge zerlassen, betäubt den Schmerz vorübergehend und kann Schwellungen reduzieren. Besonders hilfreich bei akuten Beschwerden vor dem Essen.

Was du vermeiden solltest

Solange du eine schmerzhafte Stelle auf der Zunge hast, solltest du auf bestimmte Dinge verzichten:

Wenn du mehr über bewährte Hausmittel erfahren möchtest, findest du in unserem Hausmittel-Ratgeber weitere hilfreiche Tipps.

Medikamente aus der Apotheke

Wenn Hausmittel allein nicht ausreichen oder du besonders starke Schmerzen hast, bietet die Apotheke verschiedene rezeptfreie Präparate:

Betäubende Gele und Salben

Diese Gele trägst du dünn auf die betroffene Stelle auf. Ohne ärztliche Rücksprache solltest du sie nicht länger als eine Woche verwenden.

Schützende Hafttabletten und Patches

Spezielle Aphthen-Patches oder Hafttabletten (z. B. AFTAB oder Bloxaphte) legen sich wie ein Schutzfilm über die wunde Stelle. Sie schützen vor Reibung und Reizung durch Nahrung und können schmerzlindernde oder entzündungshemmende Wirkstoffe freisetzen.

Antiseptische Mundspülungen

Chlorhexidin-haltige Mundspülungen (z. B. Chlorhexamed) reduzieren die Bakterienlast im Mund und können die Heilung beschleunigen. Sie sollten allerdings nicht dauerhaft verwendet werden, da sie bei Langzeitanwendung Zahnverfärbungen verursachen können.

Bei Mundsoor: Antimykotika

Liegt eine Pilzinfektion vor, sind rezeptfreie Hausmittel nicht ausreichend. Dein Arzt wird dir ein Antimykotikum verschreiben, typischerweise Nystatin als Suspension oder Miconazol als Mundgel. Die Behandlung dauert in der Regel mindestens zwei Wochen, auch wenn die Symptome vorher abklingen.

Bei Herpes: antivirale Cremes

Orale Herpesbläschen werden mit antiviralen Wirkstoffen wie Aciclovir behandelt. Entscheidend ist ein möglichst früher Behandlungsbeginn, idealerweise schon beim ersten Kribbeln. Bei schweren oder häufigen Ausbrüchen kann der Arzt auch Tabletten verordnen.

Vorbeugung: So reduzierst du das Risiko

Viele Ursachen für "Pickel auf der Zunge" lassen sich durch einfache Maßnahmen vermeiden oder zumindest reduzieren:

Wann du zum Arzt gehen solltest: Rote Flaggen

Die meisten Veränderungen auf der Zunge sind harmlos und vergehen von selbst. Es gibt jedoch Warnsignale, die du ernst nehmen solltest. Suche einen Arzt oder Zahnarzt auf, wenn:

Welcher Arzt ist zuständig? Dein erster Ansprechpartner kann der Hausarzt, der Zahnarzt oder ein HNO-Arzt sein. Bei Verdacht auf spezielle Erkrankungen wird dich dieser an einen Facharzt für Dermatologie oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie überweisen.

Fazit

"Pickel auf der Zunge" sind keine echten Pickel, sondern meist Aphthen, entzündete Geschmackspapillen oder andere Schleimhautveränderungen. In den allermeisten Fällen sind sie zwar lästig und schmerzhaft, aber völlig harmlos. Hausmittel wie Salzwasserspülungen, Salbeitee oder Honig lindern die Beschwerden wirksam, und bei stärkeren Schmerzen helfen betäubende Gele aus der Apotheke. Achte auf eine gute Mundhygiene, eine vitaminreiche Ernährung und versuche, Stress zu reduzieren, dann wirst du deutlich seltener mit diesem Problem zu kämpfen haben. Sollte eine Veränderung allerdings länger als zwei Wochen bestehen, immer wiederkehren oder von weiteren Symptomen begleitet sein, lass sie unbedingt ärztlich abklären. Lieber einmal zu viel nachgefragt als eine ernsthafte Ursache übersehen.

Weiterführende Links

Aphthengesundheitsinformation.de →Informationen des IQWiG (gesundheitsinformation.de)
Aphthen im Mund behandeln (AOK Gesundheitsmagazin)aok.de →
Bläschen auf der Zungeonmeda.de →Ursachen und was hilft (Onmeda)
Mundschleimhautveränderungen (Uniklinik RWTH Aachen)ukaachen.de →
Pilzinfektion der Mundhöhle (gesundheitsinformation.de)gesundheitsinformation.de →